Die mobile Gesellschaft kommuniziert in Echtzeit
02. August 2010
In fünf Jahren wird die mobile Nutzung des Internets die Zahl der Desktop-Anwendungen übersteigen, wie Morgan Stanley (PDF-Dokument, siehe Grafik auf Seite 8 ) prognostiziert. Damit folgt das Internet auf der einen Seite dem Trend zu einer immer mobiler werdenden Gesellschaft, zum anderen sind die Smartphones mit ihren schnellen Internet-Flats selbst Treiber für mehr Mobilität. Gleichzeitig wird das Internet immer stärker zum Echtzeitmedium – auch hier gibt es gegenseitige Bedingungen: Das Handy hat man immer dabei, die Echtzeit-Kommunikation wird ermöglicht. Der Wunsch nach Echtzeit-Kommunikation kann auch unterwegs erfüllt werden, die Menschen gehen also mehr aus dem Haus. Wir haben die beiden Phänomene näher beleuchtet.
Die mobile Gesellschaft …
90% der Bevölkerung gehen jeden Tag aus dem Haus und legen dabei 3,4 Wege zurück, so die Studie Mobilität in Deutschland. Die ganze Bevölkerung wird zunehmend mobiler, die Älteren fahren immer länger mit dem Auto, während die Jüngeren vor allem in urbanen Gebieten immer mehr Fahrrad fahren und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Hauptmotive für Mobilität sind Einkaufen und Freizeitgestaltung, erst dann kommen die Wege zur Arbeit. Das Auto bleibt mit Abstand das wichtigste Fortbewegungsmittel.
Die Menschen sind mehr unterwegs (Foto: wrw / pixelio.de)
Gründe für die zunehmende Mobilität liegen in den Patchwork-Strukturen der Familien und dem beruflichen Nomadentum, wodurch die Anzahl der Wege erhöht wird und die Wege verlängert werden. Weiterhin sind niedrige Flugpreise und moderne Freizeitgestaltungen (siehe Public Viewing) zu nennen.
Ein entscheidender Faktor für die zunehmende Mobilität der Gesellschaft ist aber der schnell voranschreitende Fortschritt in der mobilen Kommunikationstechnologie: Schnelle mobile Datennetze, Smart-Phones, Netbooks und Pads machen es den Menschen immer leichter, auch außerhalb des eigenen Zuhauses oder des Arbeitsplatzes mit ihrer Umweld zu kommunizieren und Aufgaben zu erledigen.
… kommuniziert in Echtzeit
Ganz klammheimlich hat sich die Kommunikation in den letzten beiden Jahren schwindelerregend beschleunigt – nicht alle können da mithalten. Facebook und Twitter werden von den einen wie selbstverständlich quasi als Nebenbeimedium in Echtzeit bedient. Sie sind “always on” und reagieren auf alle Anfragen sofort. Die anderen tun sich schwer damit, sehen Facebook als Zeitverschwendung an und bauen die Nutzung als abgeschlossenen Abschnitt in ihrem Tagesablauf ein – 15 Minuten Facebook und dann wieder ausloggen. Sie sagen Sätze wie: “Ich habe heute noch nicht in meine E-Mails geschaut.” Völlig unverständlich für die anderen – sie haben ein Smartphone mit Push-Funktion.
Wie man mit der beschleunigten und in der Echtzeit angekommenen digitalen Kommunikation umgeht, kann bestenfalls jeder für sich selbst entscheiden. Aber: Es herrscht die Gefahr, abgehängt zu werden. Ein Freund ohne Facebook beklagte sich letztens bei mir, dass er nichts mehr mitbekomme aus seinem in Deutschland verteilten Freundeskreis. Bis ihm dämmerte, dass es an Facebook liegt, dass ihn niemand mehr anruft, weil mittlerweile alle davon ausgehen, was bei Facebook gepostet wird, bekommen ja alle mit: Hochzeiten, Trennungen, Geburten, Auslandsreisen … anrufen oder Karten schreiben tut niemand mehr.
Die meisten Menschen haben sich an die digitale Echtzeitkommunikation gewöhnt und erwarten diese auch von Unternehmen. In Zeiten, wo die Qualität und der Service zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb geworden ist, kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, nicht in Echtzeit mit seinen Kunden zu kommunizieren.
Realtime in Sachen E-Mail bedeutet für uns, dass eine E-Mail im Schnitt innerhalb einer Stunde beantwortet werden muss. Vielleicht nicht immer mit einer Erstlösung, aber zumindest mit einem Feedback, wie lange es noch dauert und warum es länger dauert.




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