Erfahrungen mit Microsoft Docs

21. Mai 2010

Seit kurzem gibt es die Onlineversion von Microsoft Office, die schlicht und einfach “Docs” heißt. Sie tritt gegen Googles “Text & Tabellen” an, also einer Möglichkeit, gemeinsam an Texten oder Tabellen im Internet über den Webbrowser zu arbeiten.

Meine Erfahrungen mit Googles Version waren so schlecht, dass ich es irgendwann nicht mehr genutzt und stattdessen wieder Dokumente zur gemeinsamen Bearbeitung per E-Mail verschickt habe. Eigentlich schade, weil die Möglichkeit der gemeinsamen Bearbeitung im Netz doch sehr logisch und praktisch ist. Nur: Die Software selbst ist bei Google so schlecht, dass eine Onlinebearbeitung nur aufhält statt weiterbringt.

Als die Ankündigung kam, Word würde eine eigene vergleichbare Software ins Netz bringen und als Kollaborations-Netzwerk Facebook (statt Gmail) dazu nutzen, habe ich darin große Hoffnungen gesetzt. Denn, was man immer auch gegen Microsoft sagen kann: Word und Excel konnte bislang niemand schlagen.

Nun habe ich mich die Beta-Version getestet. Vorab und zusammengefasst muss ich sagen: Ich bin enttäuscht, aber nicht ohne Hoffnung.

Begonnen habe ich mit Word. Der Test ging ganze 10 Minuten, danach war ich so entnervt, dass ich das Browser-Fenster lieber geschlossen habe.

Die Oberfläche sieht gut aus, einfach, klar strukturiert, verständlich und intuitiv anwendbar. Ich kann Dokumente hochladen und erstellen, sie mit meine Facebook-Freunden teilen und gemeinsam bearbeiten. Ich kann sie auch auf meine Pinnwand all meinen Freunden zur Verfügung stellen. Diese Option wird meistens keinen Sinn ergeben, aber ist doch schön, dass man sie hat.

Ein Blick auf den Edit-Modus zeigt: Die wichtigsten Funktionen sind vorhanden, um einfache Textbearbeitungsaufgaben zu erledigen. Das war’s dann aber auch. Alle Funktionen für eine ernsthafte, halbwegs professionelle Bearbeitung notwendig sind, fehlen: Formatvorlagen, individuelles Einstellen von Absätzen, Fußnoten, der allseits beliebte Format-übertragen-Pinsel fehlt, die Seitenränder können nicht eingestellt werden (!) und und und.

Statdessen gibt es Styles, die genauso hilfreich sind, wie es die Cliparts schon immer waren, und auch noch – wie folgendes Beispiel zeigt – sehr kryptisch sind.

Noch schlimmer endete der erste Versuch, ein offline erstelltes Dokument hochzuladen. Es geht nicht:

Stattdessen wird mir angeboten, das Dokument, das ich gerade hochgeladen habe, wieder downzuloaden.

Hintergrund wird sein, dass es sich bei dem Dokument um eine Datei handelt, die genau mit den oben erwähnten fehlenden Funktionen erstellt wurde. Microsoft wollte mir das Chaos, das die Online-Software daraus gemacht hätte, offensichtlich ersparen.

Also habe ich ein simpel strukturiertes Dokument hochgeladen. Das klappt dann zwar, aber schon bei einem Tabulator steigt die Software aus: wird nicht übernommen.

Mein Fazit lautet also: Das Online-Word eignet sich vielleicht dazu, mit seinem Liebsten gemeinsam die Hochzeitsgästeliste zu erstellen und für ähnliche Anwendungen im Freizeitbereich. Für wirklich sinnvolle Dinge wie gemeinsam Konzepte zu erstellen, Pflichtenhefte zu bearbeiten, Projektarbeiten an der Universität zu schreiben etc. ist die Software absolut ungeeignet.

Danach habe ich Powerpoint getestet und eine Präsentation hochgeladen: Sie ließ sich überhaupt nicht bearbeiten. Eine aus vielen Einzelelementen erstellte Grafik wurde als komplettes, nicht zu editierendes Bild importiert, das sich noch nicht mal verschieben ließ. Dann habe ich ein neues leeres Dokument anlegen wollen: Es gibt so gut wie keine Optionen, lediglich der Text kann bearbeitet werden. Die Bild-einfügen-Funktion ist zwar vorhanden, aber verblasst – sie funktioniert nicht.

Bei Excel fehlen wichtige Funktionen wie das Summenzeichen (!), die Währung kann nicht eingestellt werden, Zellen können nicht über Dialogfenster formatiert werden etc. pp.

Und dann das noch: Es gibt keine Druckfunktion. Hierzu muss man die Datei zuerst in der lokalen Word-Version öffnen, was in meiner Umgebung (Office 2008 für Mac, Safari-Browser) übrigens auch gar nicht funktioniert:

Beim Klick auf “Learn more about the requirements.” passiert … gar nichts.

Mein Fazit: Docs ist für den professionellen Bereich nicht zu gebrauchen. Ich bin dennoch der Hoffnung, dass Microsoft das hinbekommt. Schließlich ist der Bedarf ist riesig und die Anwendungsoptionen sind vielfältig – und schließlich sind wir hier noch in einem frühen Beta-Stadium.

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