Wer sich bei Facebook einloggt, loggt sich ins Internet ein

03. Juni 2010

… dazu wird es kurzer Zeit unweigerlich kommen. Um zu verstehen, welche umwälzenden Veränderungen Facebook für die Nutzung des Internets nach sich zieht und nach sich ziehen wird, ist es hilfreich, darüber nachzudenken, wer eigentlich der direkte Konkurrent von Facebook – sagen wir mal in Deutschland – ist: StudiVZ? Wer kennt wen? Nein, Facebook hat sich, wie Spiegel Online jüngst schön erklärt hat, längst einen größeren Gegner vorgenommen: Google. Der Kampf, der hier ausgefochten wird, ist der, über wen von beiden letztendlich der Login ins Netz ausgeführt wird. Und schaut man sich die Entwicklung von Google Buzz an, sollte auch klar sein, wer diesen Kampf gewinnen wird.

Facebooks “Connect”-Technologie ermöglicht es, sich mit seinem Facebook-Login auf anderen Websites einzuloggen. Das Internet personalisiert sich immer weiter, d.h., die User können mehr und mehr Internetseiten nach ihren eigenen Bedürfnissen einstellen und nutzen. Da ist gut und richtig so – das Netz bewegt sich schon lange nicht mehr nur in eine Richtung vom Sender zum Empfänger, sondern ist ein differenziertes und individuelles Beziehungsverhältnis zwischen allen Nutzern des Internets. Da es der Nutzer nicht akzeptieren wird, sich immer mehr Profile im Netz anzulegen, werden sich letzten Endes wenige  Technologien durchsetzen. Und die wichtigste wird nach vorherrschender Meinung Facebook sein.

Das Ergebnis werden auf die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse der User zugeschnittene Content-Angebote und eine Auflösung von klar abgegrenzten Websites sein, die man besucht und wieder verlässt. Vielmehr wird es bald so sein, dass der Nutzer sich identifiziert und mit seinem Profil die Rolle übernimmt, die früher Websites übernommen haben: Von den Profilen aus wird sich sich in Zukunft das Internet organisieren uns strukturieren und eben nicht mehr von Websites und den sog. “Portalen”.

Dies bedeutet nichts anderes, das die Zeit des anonymen Surfens vorbei ist. Ohne Login wird es immer schwieriger werden, das Internet überhaupt noch sinnvoll nutzen zu können. Ich empfehle, sich mal aus all seinen Profilen auszuloggen und sich dann im Internet zu bewegen, um selbst zu erfahren, wie personalisiert das Web bereits schon geworden ist.

Und genau an dieser Stelle treten natürlich genau dann die Bedrohungen für die Privatsphäre auf. Letztens haben wir bereits beschrieben, wie man in Facebook die Privatsphäre schützen kann. Aber das wird in Zukunft lange nicht ausreichen.

Thomas Hutter hat letztens auf ein delikates Problem hingewiesen. Es war schon immer so im Web, dass die Pornoindustrie meist die technologischen Standards im Web setzt. Derzeit machen die sog. Like-Buttons Furore, die auch diese Website nutzt. Klickt man darauf, erscheint ein Link auf die Website, auf der sich der Like-Button befindet, im Facebook-Profil desjenigen, der auf den Button geklickt hat. Betreiber von Pornoseiten nutzen diese Technologie, um automatische “Likes” zu erzeugen. Sprich: Sobald jemand eine dieser Seiten besucht, wird ein “Like” ausgelöst, das heißt, eine verlinkte Werbenachricht wird im Facebook-Profil veröffentlicht – was ziemlich peinlich werden kann.

Die Entwicklung des Internets zu einem individualisiertem Echtzeit-Kommunikationsmedium ist eine gute, die eine Menge Vorteile für uns alle birgt. Aber sie stellt ganz neue Herausforderungen an uns als User, die viele nicht bewältigen können. Was klar sein muss, ist, dass wir uns bald im Web wie in der Öffentlichkeit bewegen und wir Vorkehrungen treffen müssen, wenn wir in der Sozial- oder Privatsphäre sein möchten.

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